MaxM hat geschrieben:Servus Badener,
da hast du wohl Recht... darauf wird's hinaus laufen. Darum ja auch der Generalverdacht!
@ Hamburger: Weißer Terror, meinst du damit den Russischen Bürgerkrieg, den es nach dem 1. Weltkrieg gegeben hat? Da haben ja auf der Seite der "Weißen" auch deutsche "Freikorps" mitgekämpft, aber am Ende hat die Rote Armee gewonnen. Aber eine Systemänderung ist dann nicht gut, wenn sie mit viel Blutvergießen herbei geführt wurde. Denn das heißt auch, dass das gegen den Willen mindestens eines Teils des Volkes geschehen ist, auch wenn man sagen kann, dass die eine oder andere Seite aufgehetzt wurde.
Richtig, Kommunismus und überhaupt Sozialismus kam zunächst aus den Städten. Denn da waren die Fabriken und somit die Arbeiter, die von den Industriellen ausgebeutet wurden. Es kann einem schlecht werden, wenn man manche "Regelwerke" sieht, die Industrielle für ihre Leute in der Mitte des 19. Jahrhunderts gemacht haben. Aber jetzt wird's, wenn man sich die Regelwerke großer IT-Konzerne anschaut (wie z. B. Facebook oder Apple), teils schon wieder genauso schlimm. Ich hab erst neulich was gelesen, da wurde sogar die Zeit für den Toilettengang festgelegt, und aus jedem Krankheitstag wurde ein "incident", ein "Vorfall" gemacht, so als wenn es unbotmäßig ist, krank zu werden. Und so weiter. Soweit sind wir jetzt schon wieder. Tja, die soziale Marktwirtschaft von Erhard war keine so schlechte Idee, aber sie existiert faktisch nicht mehr.
Nein, eine Interessengleichheit gibt es nicht und wird's auch nicht wirklich geben. Darum sind immer Kompromisse gefragt. So müssten z. B. Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die zweifellos unterschiedliche Interessen haben, auf Augenhöhe miteinander reden, damit dann eine Lösung gefunden wird, die für beide tragbar ist.
Und da seh ich auch so ein bisschen die demokratischen Mängel in dem, was du schreibst, weil es immer unterschiedliche Interessengruppen gibt, auch in einer sozialistischen Gesellschaft, denn der Bauer will von seinem Hof leben können, während der Arbeiter sich die Lebensmittel leisten können will. Parteien sind auch immer Vertreter von Interessengruppen, und drum finde ich deren Existenz schon sinnvoll, jedenfalls so lang in der Partei die Wünsche der jeweiligen Basis noch berücksichtigt werden und nicht die Großkopferten alles unter sich ausmachen.
Zum Volksentscheid, den hat man 1949 bewusst nicht ins Grundgesetz aufgenommen, denn der deutschlandweite Volksentscheid wurde insbesondere im dritten Reich zur Akklamation von ungewöhnlich falschen Dingen verwendet, wie der Vereinigung des Amts von Staatsoberhaupt und Regierungschef bei Hitler oder des "Anschlusses" von Österreich etc. Das war damals noch nah da, als das Grundgesetz gemacht wurde. Heute, so denke ich, würde die Sache aber schon wieder anders aussehen, und ich hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn sowas bundesweit eingeführt wird.
Wie willst du die Menschen vor ihrer eigenen Fehlentscheidung schützen? Wir als Menschen müssen tagtäglich Entscheidungen treffen, und die müssen wir selber treffen, und dabei kann es nun mal auch Fehlentscheidungen geben. Das kann man nie so ganz verhindern. Das kann dabei anfangen, dass man etwas kauft, bei dem man hinterher merkt, dass man es gar nicht glaubt, und das geht weiter bis hin, dass sich jemand besoffen ins Auto setzt und dann einen schweren Unfall baut und womöglich jemand tot fährt. Freilich werden wir auch zu Fehlentscheidungen oder fragwürdigen Entscheidungen gedrängt (siehe Werbung), aber dennoch müssen wir unsere Entscheidungen selber treffen. Dass die Menschen die Entscheidungen gar nicht mehr selber treffen, da wären wir dann wieder im totalitären System. Und leider können wir jetzt schon verschiedene Entscheidungen nicht selber treffen, weil sie uns einfach so abgenommen werden, z. B. durch Beschluss von Gesetzen, die die Mehrheit der Leute gar nicht befürworten. Da hilft dann auch nur mehr Demokratie von unten. Ob aber vollständige Gleichmacherei da hilft, da bin ich mir nicht so sicher, weil auch das wohl nicht funktioniert, denn die Menschen sind nun mal unterschiedlich. Darum, und jetzt sind wir wieder am Anfang, gibt es Interessengruppen und darum gibt es auch Parteien.
Alles Gute
Max
Guten Abend
Sorry das das mal wieder so lange gedauert hat aber für Texte wie diese braucht es eben immer etwas Theorie und entsprechend Überlegungen wie das Ganze denn zu schreiben ist das man es auch versteht, gerade dann wenn es komplizierter wird.
Auf dem Level sind wir längst angelangt.
Entsprechend kann ich die Texte nur schreiben wenn ich auch wirklich die Zeit habe mich eine Stunde oder gar mehr hin zu setzen denn 2 mal anfangen wäre auch Unfug.
Also gut:
Nein damit meine ich den weißen Terror
Der Bürgerkrieg setzte erst ein gutes halbes Jahr später ein. Der Russische Geheimdienst begann mit Mordanschlägen auf Sozialistische und Kommunistische Politiker noch während der Revolution und führte diese dann aus dem Untergrund fort als die Revolution durchgeführt wurde.
Zu diesem Zeitpunkt wurden die Maßnahmen der Royalisten auch erweitert zum Beispiel durch die gezielte Auslöschung von Dörfern in denen man Linke vermutete
Über diesen Zustand brach dann der Bürgerkrieg aus.
Naja ich würde eine kleine Elite jetzt nicht als relevant großen Teil des Volkes bezeichnen, aber es ist für diese Gruppe eben möglich mit nur 5% Zustimmung in der Bevölkerung den Rest zu unterdrücken und eine politische Umwälzung in den Bürgerkrieg zu führen.
Eine jede Umwälzung aus einer Diktatur wird im Regelfall mit Gewalt verbunden sein. Der Fall des Faschismus in Deutschland und die französische Revolution waren immer auch gegen den Willen einer Gruppe und beide waren eindeutig gewalttätige Akte mit vielen Toten. Dennoch denke ich das wir beide diese politischen Gewaltakte (genau das waren es eben, auch wenn einem das vielleicht nicht schmeckt) gut finden und befürworten.
Das Ziel muss immer eine friedliche Lösung sein aber die Mächtigen kannst du nicht abwählen und sie werden sich im Regelfall mit Gewalt gegen die Bevölkerung zur Wehr setzen wenn sie ihre Macht und Privilegien gefährdet sehen. Die Idee muss es also sein einen friedlichen Wandel zu organisieren sich aber darüber im klaren zu sein das Wahlen und Mehrheiten von der Gegenseite evtl. nicht akzeptiert werden
Horst Seehofer hat mal voll Desillusionierung gesagt: "Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden."
Wer dauerhaften Frieden, eine Intakte Umwelt und soziale Sicherheit will der muss irgendwann die Machtfrage stellen denn diese Dinge können nur in einer wirklichen Demokratie geben kann bei der auch wirklich ALLE Macht vom Volke ausgeht.
Ich denke diese Machtfrage muss in Deutschland noch gestellt werden denn was gut für sie ist wissen die Menschen nur selbst am besten.
Soziale Marktwirtschaft ist eine verlockende Idee. Das Problem ist eben das die soziale Marktwirtschaft nicht funktioniert, zumindest nicht auf Dauer.
Mit der Zeit fallen die Wachstumsraten, dann muss der Gewinn von wo anders her kommen und um den Gewinn entbrennen Verteilungskämpfe in der Gesellschaft die im Regelfall von den Reichen und Mächtigen gewonnen werden weil sie die Mittel haben ihre Interessen gegen die Bevölkerung durch zu setzen wohingegen die Bevölkerung diese Mittel nicht hat.
Diesen schleichenden Abbau und die Rückzugsgefechte des Sozialstaates können wir nun seit gut 25 Jahren beobachten
Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben unterschiedliche Interessen, genau deswegen muss dieser Konflikt ja auch aufgelöst werden.
Es geht doch genau darum diesen Konflikt aus der Welt zu schaffen in dem man die Unterteilung von Arbeiter und Arbeitgeber abschafft
Wenn man Parteien ect gründet dann kommt aber immer die Situation zu Stande das sich in diesen Parteien eine Elite bildet die die Entscheidungen trifft.
Dadurch kommst du wieder in einen Interessenkonflikt, nämlich in den Konflikt zwischen oben und unten in der Partei.
Das was für dich hier eine demokratische Notwendigkeit ist das hat die DDR hauptsächlich zur Diktatur gemacht.
Es bildete sich eine Elite in der Partei die das Land nach belieben formen konnte und fertig war die Diktatur.
Wenn immer Menschen in eine hohe Position kommen durch die sie Vorteile erhalten besteht diese Gefahr.
Macht korrumpiert unausweichlich. Und Organisationen werden immer zu undemokratischen Apparaten.
Warum musst du ein solchen Apparat erschaffen um deine Interessen vertreten zu können?
Reicht es nicht wenn du im Betrieb wählst und zum Beispiel einen Rat gründest wenn es irgendwo so sehr an Mitbestimmung mangelt das Wahlen in Staat, Gewerkschaft und Betrieb nicht ausreichen um das Problem zu lösen?
Ich denke der Weg muss einfach um solche Apparate umher führen denn die Geschichte zeigt wo Apparate und Machtstrukturen jedes Mal enden.
Wenn du natürlich ne bessere Idee hast, immer gerne aber ich denke ich werde von meiner Kritik an den Apparaten nicht abweichen und vertrete an dieser Stelle die sozialistische Lösung weil die mir von allen Ideen im Moment als die Beste erscheint das Problem zu beheben. Allerdings bedeutet das eben nicht das es nicht noch ne bessere Idee gibt die der Menschheit nur noch nicht bekannt bist.
Der Konflikt den du zwischen Bauer und Käufer von zum Beispiel Eiern siehst ist aber kein politischer Machtkonflikt.
Da der Betrieb den Arbeitern auf dem Hof gehört und die Leute günstige Güter brauchen gibt es niemanden der seine Machtposition gegenüber dem Schwächeren durchsetzen kann.
Es gibt zwar einen Konflikt an einer Frage, der auch ein Konflikt ist der durch die Interessen der Personen kommt aber es ist kein Interessenkonflikt in dem Sinne das eine Partei die Andere ausbeuten kann weil niemand mehr Lohn bekommt wenn er einen höheren Preis verlangt weil sich das durch Angebot und Nachfrage die eben auch im Sozialismus existieren abgleicht.
Verwaltung und Arbeiter stimmen schließlich gemeinsam ab auf dem demokratisch geführten Hof
Wie will ich die Menschen vor Fehlentscheidungen schützen? Gar nicht!
Die Menschen müssen ihre Entscheidungen selbst treffen und ihre Fehler selbst machen. Dadurch wird der Mensch klug das er Fehler macht und durch nichts Anderes.
Menschen vor dem Fehler machen schützen zu wollen ist eine Form von Bevormundung, wenn auch eine Wohlmeinende.
Das macht erstens unfrei wie du gesagt hast und er verhindert Fortschritt. Man muss erst probiert haben das Feuer heiß ist. Wer hat als Kind nicht auf die Herdplatte gefasst?
Der Mensch kann selbst denken und daher hat er auch einen Eigenverantwortung, als Einzelperson und als menschliche Rasse
Du hast völlig Recht, die einzige Lösung ist Demokratie von unten. Das Ziel ist die möglichst weitgehende Emanzipation des Menschen.
Aber um zu gewährleisten das diese Demokratie auch von unten kommt und nicht von den Parteibonzen oder sonst wem darf es keine Macht außerhalb der demokratischen Wahlen geben.
Das bedeutet eben auch keine Parteien die eine solche Macht sind und keine Lobbyverbände.
Das Verbot von Lobbys verhindert eben die Übernahme der Demokratie durch solche Gruppen, bzw dafür ist es gedacht.
Auch an dieser Stelle gilt der Grundsatz: Marxismus muss stets neu gedacht werden.
Was wäre also deine Idee von Verhinderung von Machtübernahme durch Strukturen?