Klimawandel?

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Moderator: Rico

Lambo-Benni
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Re: Klimawandel?

Beitrag von Lambo-Benni »

Doktor Whatson hat heute ein nues Video hochgeladen: https://www.youtube.com/watch?v=mz4vGVWeMjc

Er betrachtet den (sehr konservativen) "Worst Case"-Fall im Falle eines Klimaschutzes im gleichzeitig Konkurrenzkampf der Nationen, wie wir es auch aktuell erleben. Also dem Szenario das nicht von einer weltweiten Zusammenarbeit ausgeht.


Wobei er zeitweise auch Quatsch redet wie bspw. die Aussage "Fast überall auf der Welt ist das Wirtschaftswachstum von CO2-Emissionen entkoppelt." ist einfach nur faktisch falsch.
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Re: Klimawandel?

Beitrag von MaxM »

Auch ich sehe es so dass nicht alles stimmt, was in dem Video ist. Es ist ja logisch, dass die CO2-Emissionen und das Wirtschaftswachstum gekoppelt sind, schon weil so viele Teile der Wirtschaft nach wie vor an fossilen Energien hängen. Auch das Diagramm, wo es heißt, dass der Ausstoß von CO2 gefallen sei, sehe ich skeptisch. Ich denke, Mark Benecke sieht das anders. Ich denke, der CO2-Ausstoß steigt nach wie vor an, und das, obwohl selbst China inzwischen mehr auf erneuerbare Energien setz.

Richtig ist allerdings, dass einige Regionen der Erde faktisch für den Menschen unbewohnbar werden, wenn die Erderwärmung so weitergeht, weil dann in immer längeren Abschnitten des Jahres lebensgefährliche Taupunkte erreicht werden, so wie ich letztes Jahr mal einen Taupunkt von 33°C an einer Station am Persischen Golf feststellen konnte. Das führt dann auch, und auch das hat er korrekt gesagt, zu immer mehr gesellschaftlichen Problemen, z. B. wenn es immer mehr Migranten gibt.
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Re: Klimawandel?

Beitrag von Lambo-Benni »

Das Sommer-Update von Beneckes "Time is up!" ist online: https://www.youtube.com/watch?v=W27dbdQlyNA

Diesmal interessanterweise im Stream mit Dekarldent und Naitan. Da nimmt er nochmal gut Reichweite mit! :zustimm:
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MaxM
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Re: Klimawandel?

Beitrag von MaxM »

Danke für den Hinweis. Das ist mal wieder ein wichtiges Video!

Das mit der CO2-Konzentration in der Atmosphäre habe ich auch schon verschiedentlich mal ins Bild gesetzt, indem ich mir Diagramme angeschaut habe, die sehr weit zurück gehen. So konnte ich feststellen, dass selbst in der Eem-Warmzeit, als die Durchschnittstemperatur auf der Erde im höchsten Fall ungefähr so hoch war wie derzeit, die CO2-Konzentration knapp unter 300 ppm blieb. Heute sind es 427 ppm. Das ist wirklich eine heftige Hausnummer! Ein weiteres Zeichen lieferte uns Ötzi. Als er 1988 gefunden wurde. Als er 1991 gefunden wurde, war diese Stelle seit mindestens 5200 Jahren von Schnee bedeckt gewesen und aperte zum ersten Mal seitdem aus. Dass die Vereisung zu der Zeit, um 3200 v. Chr, noch geringer war als heute, lag daran, dass vorher 4000 Jahre lang die frühholozäne Warmzeit herrschte, die zum Zeitpunkt von Ötzis Tod gerade dabei war, zu Ende zu gehen. Und ja, man findet heute unter den abschmelzenden Gletschern auch Reste von Bäumen, die da in der ersten Hälfte des Holotzäns gewachsen waren. Aber das ist eine ganz andere Zeitspanne. Ja, die Gletscher schmolzen ab 8000 v. Chr. ab, aber eben ganz langsam und nicht so rasend schnell wie heute. Das kann man nicht vergleichen. ab 5200 v. Chr. wurde das Klima etwas kühler, und so wurde Ötzis Leichnam zugeschneit und blieb es mehr als 5000 Jahre. Und dass das nun, selbst in den frühen 90er Jahren, so schnell ging, dass diese Stelle eisfrei wurde und Ötzi gefunden werden konnte, ist doch schon ein deutlicher Hinweis. Und dass jetzt der CO2-Gehalt der Atmosphäre um 130 ppm über dem höchsten während der Eem-Warmzeit liegt, das zeigt, dass wir noch einiges an Erwärmung auf unserem Planeten zu erwarten haben, zumal wir ja nichts dafür tun, das einzuschränken. Und dabei sind die anderen Treibhausgase wie z. B. Methan noch gar nicht berücksichtigt.

Was die Insekten anbelangt, das hab ich selber auch in meiner Erinnerung, dass es früher viel mehr davon gab. Ich erinnere mich an Schwärme von Mücken (so kleine Kriebelmücken oder wie die heißen, keine Stechmücken), die in der Abenddämmerung in unserem Garten tanzten, viele bunte Schmetterlinge, jede Menge Wildbienen und ähnliches, oder wenn ich abends beim Lesen vergaß, das Fenster meines Zimmers zuzumachen, da hatte ich dann ein Geschwirr der verschiedensten Insekten an der Zimmerdecke, wie eben Stechmücken, aber auch zarte grüne Florfliegen, die großen Schnaken und viele, viele kleine Insekten. Und das ist nun leider eben nicht mehr so. Das hat auch zur Folge, dass es hier viel weniger Vögel gibt. Stare sieht man vielleicht noch mal einzelne, aber keine großen Starenschwärme mehr wie früher. Auch die Amseln sind viel seltener geworden. Was man hier noch eher sieht, das sind Elstern und Krähen, die sich offenbar anpassen können.

Ja, da ist das schon wieder viel länger geworden als geplant, was ich da geschrieben habe. Und auch wenn du vielleicht nicht auf meine Texte, die ich in solchen Fällen schreibe, antwortest, Benni, so gehe ich doch davon aus, dass du sie liest.
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Re: Klimawandel?

Beitrag von Lambo-Benni »

MaxM hat geschrieben: Mo 11. Mai 2026, 16:09:40 Ja, da ist das schon wieder viel länger geworden als geplant, was ich da geschrieben habe. Und auch wenn du vielleicht nicht auf meine Texte, die ich in solchen Fällen schreibe, antwortest, Benni, so gehe ich doch davon aus, dass du sie liest.
Servus Max,

ich habs gerne gelesen. Sind ja auch immer wieder für mich neue Details enthalten und ist sehr interessant. Dass ich oft nicht antworte liegt dann einfach daran dass ich nichts weiter beizutragen habe was uns nicht eh schon klar ist.


Wie du eben schreibst, der CO2-Anteil ist unfassbar hoch und die Folgen nicht annähernd im Bewusstsein der Menschen angelangt. Selbst ich erwische mich manchmal bei den Gedanken dass es gar nicht sooo übel aussehen kann wenn die ganze Welt noch nicht im Notstand ist. Aber es ist es halt doch! Und die Welt ist im Notstand, nur die Menschen noch nicht.
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Re: Klimawandel?

Beitrag von MaxM »

Nun, das sagt ja auch Mark Benecke immer wieder, dass eigentlich die Welt im Notstand sein sollte, aber dass zu viele Menschen ignorieren, was da im Gang ist - bis es vielleicht nicht mehr geht und dann ist es zu spät.
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Re: Klimawandel?

Beitrag von Lambo-Benni »

Im Anschluss zum Vortrag gabs dann noch eine Diskussionsrunde die ich auch empfehlen möchte: https://www.youtube.com/watch?v=Rqhnn6AZ5AA
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Re: Klimawandel?

Beitrag von MaxM »

Ja, das gehört schon auch noch dazu, eine sehr interessante Diskussion.

Weil die Rede ist von den Ernten: Das war etwas, was bei Klimaänderungen immer schon auch Einfluss auf die Gesellschaft hatte. Ich darf vielleicht das Römische Reich herausgreifen: Das Römische Reich war zwischen Caesar und ca. 200 n. Chr. ungewöhnlich stabil, gerade auch für so ein großes Reich in dieser Zeit. Das hing stark auch mit den guten Erträgen der Landwirtschaft zusammen. Damals war das Klima sehr stabil, es gab durchwegs - mit wenigen Ausnahmen sicherlich - gute Ernten im Römischen Reich. Die Stadt Rom wurde mittels Getreide und anderen Lebensmitteln aus Nordafrika (insbesondere der Kolonie Africa, dem heutigen Tunesien und Ägypten) versorgt, jedes Jahr fuhren viele Schiffe schwer mit Getreide beladen nach Ostia, wo das Getreide entladen und über eine breite Straße nach Rom gefahren wurde. Sonst hätte man ja eine Stadt mit gut 1 Million Einwohnern gar nicht versorgen können. Ebenso mussten ja die Legionäre mit Lebensmitteln versorgt und auch bezahlt werden. Das war nur möglich, weil im Römischen Reich damals ein Überschuss erwirtschaftet wurde. Ab ca. 200 wurde das Klima allmählich weniger stabil, das Römerzeitliche Klimatische Optimum ging allmählich vorüber. Nicht nur konnten nun die Menschen in der Stadt Rom und die Legionäre weniger gut versorgt werden, auch die Völker außer- und innerhalb des Römischen Reiches wurden unruhiger. Auch außerhalb des Römischen Reiches waren die Bevölkerungszahlen gestiegen, und da nun die Ernten z. B. auch in der Norddeutschen Tiefebene geringer ausfielen, reichte das Essen nicht mehr für alle, und ein Teil der dort ansässigen Menschen machten sich auf den Weg. Sie dachten, das große Römische Reich ist so reich, da können wir unser Glück machen. So gingen sie über die Grenzen ins Römische Reich, was zu einer zunehmenden Destabilisierung insbesondere im Weströmischen Reich führte. Die Legionäre konnten kaum noch bezahlt werden, es wurden also immer weniger angeheuert, und ab 400 gingen zunehmend Gebiete des Weströmischen Reiches verloren. Die Briten bekamen gesagt, dass ihnen keine Legionen mehr geschickt werden konnten, und sie müssten selbst für ihre Sicherheit sorgen. Germanische Völker wie die Langobarden und Goten machten sich auf den Weg (nicht alle, wie gesagt, sondern eben der Überschuss der Bevölkerung) und bildeten auch Armeen, so dass schließlich mehr oder weniger die Germanen (z. B. Vandalen unter Geiserich) die eigentliche Macht in Rom hatten und die schwachen und oft auch recht jungen römischen Kaiser praktisch nur noch zeremonielle Oberhäupter waren. Als schließlich Romulus Augustulus als letzter weströmischer Kaiser von Odoakar abgesetzt wurde, bestand das Weströmische Reich ohnehin nur noch aus Italien, Dalmatien und dem Ostalpenraum. Alle anderen Gebiete waren schon abgefallen. Und dann konnte allerdings Justinian zunächst die Herrschaft des Oströmischen Reiches wieder nach Westen ausdehnen, wenn auch nicht Germanien, Gallien und Britannien zurückgewinnen. Dem kam aber die Justinianische Pest und die Klimaanomalie von 536 in den Weg, was das Oströmische Reich schwächte, so dass die Kalifen dann ab ca. 620 (da war Justinian längst tot) große Teile des Oströmischen Reiches übernehmen.

Das zeigt also, dass das Klima immer schon einen Einfluss auf die Gesellschaft hatte, auch wenn das wohl nicht der einzige Grund war, dass das Römische Reich einen Niedergang erlebte. Und das müssen wir uns aber vor Augen führen, denn was wir gerade mit dem Klima anstellen, ist viel extremer als das, was damals passierte, da die Klimaänderung sehr viel stärker ausfällt. Da werden sich noch viele Menschen auf den Weg machen aus Gegenden, die nicht mehr bewohnbar sind und wo die Ernten entweder verdorren oder, wie wir es z. B. in Pakistan in den letzten Jahren erlebt haben, in wochenlangen Überflutungen verfaulen. Und da wollen dann die Adolfs für Deutschland behaupten, Migration dürfte es nicht geben. Nein, sie können es gar nicht verhindern und es wird noch viel heftiger werden!

Und das war wieder mal eine "Vorlesung" von mir! :D Und ich denke, du siehst, warum ich mich mit Geschichte befasse - eben weil man da so viel für die Gegenwart und die Zukunft lernen kann. Menschen, die nicht über ihren Tellerrand hinaus schauen, wie die Adolfs für Deutschland und deren Anhänger, verstehen das natürlich nicht.
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Re: Klimawandel?

Beitrag von Lambo-Benni »

Das Klima hatte immer Einfluss und hat es auch noch. Auch wenn unsere westliche Welt dazu neigt diesen Einfluss maßlos zu unterschätzen. Die Supermärkte sind voll, von Luxus bis Schrott bekommt man alles aus allen Teilen der Welt binnen weniger Tage geliefert. Da entrücken zukünftige Probleme schnell dem Alltag. Wie schnell sich diese Normalität dann aber ändern kann können sich die meisten gar nicht vorstellen. Beachtet man aber wie groß die Auswirkungen selbst kleiner Krisen sind (Corona, Ukraine-Krieg, Iran-Krieg) darf man sich ausmalen was eine große globale Krise bewirken könnte.
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